Es ist ein Gebirgsmassiv mit den vier höchsten Gipfeln Namibias. Mit 43.000 Jahrtausende alten Felsmalereien. Mit unglaublich vielfältiger Pflanzen- und Tierwelt. Darunter die Gladiator-Schrecke, die 2002 weltweit für Schlagzeilen sorgte, weil man für sie eine neue Insekten-Ordnung schaffen musste.
Dieses Gebirgsmassiv und seine Umgebung möchte Namibia ins Welterbe aufnehmen lassen. Den formellen Antrag dazu hat das Ministerium für Bildung, Innovation, Jugend, Sport, Kunst und Kultur (MEIYSAC) bei der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (UNESCO) eingereicht.
Die UNESCO wird jetzt prüfen, ob die Voraussetzungen für den Status eines Welterbes erfüllt sind. Dazu zählt vor allem der Schutz des Gebietes. Wie MEIYSAC-Ministerin Sanet Steenkamp vergangene Woche bekanntgab (siehe Bericht im Namibian), ist die Entscheidung im Juli 2027 zu erwarten.
Zeuge des Bruchs des Ur-Kontinents Gondwana
Dâures bedeutet auf Khoekhoegowab soviel wie 'der brennende Berg'. Das Licht der untergehenden Sonne lässt das Granitmassiv oft rötlich erscheinen. Daher auch der afrikaanse und deutsche Name 'Brandberg'. Khoekhoegowab ist die Sprache der dort lebenden Daman (oft fälschlich in der Zwei-Personen-Form als Damara bezeichnet).
Das Gebirgsmassiv ist Zeuge eines gewaltigen Ereignisses der Erdgeschichte. Vor rund 130 Millionen Jahren zerbrach der Ur-Kontinent Gondwana. Südamerika und Afrika drifteten voneinander weg. Es war eine Zeit der Super-Vulkane und Magma-Flüsse.
Der Dâures / Brandberg ist der Überrest einer gigantischen Magma-Blase, die aufstrebte, aber die Oberfläche nicht erreichte. Im Laufe der Jahrmillionen hat die Erosion das weichere Erdreich in der Umgebung abgetragen. Das Magma, inzwischen zu Granit erstarrt, wurde dabei freigelegt.
Vier Gipfel des Dâures / Brandbergs bilden die höchsten Erhebungen Namibias. Neben dem 'Königstein' (2.573 m) sind es das 'Horn' (2.519 m), der 'Numasfels' (2.518 m) und der 'Aigub' (2.501 m).
Heimstatt für Tier und Mensch

Für ihn hat Namibia bei der UNESCO nun formell die Aufnahme ins Weltkultur-Erbe beantragt: Dâures / Brandberg im Westen Namibias. Foto (2014): Olga Ernst, Wikipedia
In der Übergangszone zwischen Namib-Wüste und Busch-Savanne des Inlands gelegen, ist der Dâures / Brandberg ein biologischer Hotspot. Unter den 480 Pflanzenarten befinden sich 100 Arten, die nur in Namibia, und sieben, die nur am Dâures vorkommen.
Auch die Tierwelt ist äußerst vielfältig. Im und am Bergmassiv leben 82 verschiedene Säugetiere und damit 40 Prozent der namibischen Säugetier-Arten. Mit 128 Vogelarten ist der Dâures / Brandberg auch ein Paradies für Vogelfreunde.
Außerdem beherbergt das Gebirgsmassiv 2.000 Insekten-Arten. 200 dieser Arten hat man bislang nur dort gefunden. Darunter ist die Gladiator-Schrecke, deren Entdeckung 2002 für eine Sensation sorgte. Man musste für sie sogar eine neue Insekten-Ordnung (Mantophasmatidae) schaffen.
Auch der Mensch ist am Dâures / Brandberg zuhause. Nomadische Jäger und Sammler fanden hier Wasser, Schutz und Wild. Davon zeugen mehr als 43.000 Felsmalereien, die bis zu 5.000 Jahre alt sind. Das wohl berühmteste Motiv ist die 'Weiße Dame', eine Figur, die wohl einen männlichen Schamanen mit weißer Körperbemalung darstellt.
Die 'Weiße Dame' und die 'Wüsten-Elefanten' im nördlich vorbeiführenden Ugab-Rivier ziehen viele Touristen an. Der Dâures / Brandberg liegt nahe der beliebten Route von Swakopmund über Twyfelfontein zum Etosha Nationalpark.
Dâures / Brandberg schützen und vermarkten

Eines der Tausenden Felsmalerei-Motiven am Dâures / Brandberg, die Namibia mit dem beantragten Welterbe-Status der UNESCO noch stärker schützen und vermarkten will: Die berühmte, aber bereits erkennbar verblichene 'Weiße Dame'. Foto (2004): Harald Süpfle, Wikipedia
Dieses reiche geologische, ökologische und kulturelle Erbe steht seit Juni 1951 unter besonderem Schutz. Damals hat die südafrikanische Verwaltung ein 450 Quadratkilometer großes Gebiet mit Dâures und Umgebung zur 'Brandberg National Monument Area' erklärt.
Dennoch haben Tourismus und Mineralienhandel dem Erbe zugesetzt. Rücksichtslose Besucher bespritzten die 'Weiße Dame' und andere Felsmalereien mit Wasser, um kontrastreichere Aufnahmen machen zu können. So genannte 'Small Miner' suchen nach Topas, Amethyst und anderen Kristallen, um sie an Touristen zu verkaufen.
Seit Anfang der 2000er Jahre dürfen Touristen die 'Weiße Dame' nur noch mit lokalem Guide besuchen. Auch wurde ein Holzsteg mit Geländer errichtet, um Besucher auf Abstand zu halten.
Nun will die namibische Regierung den Schutz verstärken und die Einnahmequelle für die dort lebenden Menschen vergrößern. Der Status als Welterbe dürfte dem Dâures / Brandberg einen Schub an zusätzlichen Besuchern bescheren.
Dritte Welterbe-Stätte in Namibia

Schutz vor rücksichtslosen Touristen: Holzsteg, Geländer und Guide bei der berühmten 'Weißen Dame' am Dâures / Brandberg. Foto (2004): Sven-Eric Stender
Namibia hatte Dâures bereits im Oktober 2002 auf die Liste von vorgeschlagenen Welterbestätten setzen lassen (siehe UNESCO-Website). Übrigens zusammen mit dem Fischfluss Canyon und den Welwitschia-Flächen östlich von Swakopmund.
Im vergangenen September hatte das Kabinett gutgeheißen, dass man alles Nötige für den formellen Nominierungs-Antrag bei der UNESCO vorbereitet. MEIYSAC-Ministerin Steenkamp zufolge hat der African World Heritage Fund die Vorbereitungen finanziell und technisch unterstützt. Gesamtkosten: Mehr als eine Million Namibia Dollar (zurzeit knapp 53.000 Euro; Betrag nach aktuellem Wechselkurs; 1 Rand = 1 N$).
Sollte das Welterbe-Komitee der UNESCO im Juli 2027 grünes Licht geben, hat Namibia künftig mit Dâures / Brandberg drei Welterbe-Stätten. Nach Twyfelfontein (/Ui-//aes) mit seinen Tausenden Felsgravuren (2007) und Namib Sand Sea mit Sossusvlei und den höchsten Dünen der Welt (2013).
Mehr zum Dâures / Brandberg in einem Beitrag auf Namibian.org (auf Englisch) und in einem Artikel auf Wikipedia.





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