Namibias Reisebranche schüttelt den Kopf über das Hin und Her um die Zufahrt ins Sossusvlei. Noch Mitte April bekräftigte die Regierung trotz heftiger Proteste, ab 1. Mai 2026 trete ein Selbstfahr-Verbot in Kraft (siehe Bericht). Am Vortag dann die Kehrtwende: Verbot vom Tisch, business as before.
Das sei dem Anbieter des offiziellen Shuttle Service am 30. September auch schriftlich mitgeteilt worden, versicherte ein hoher Behördenvertreter inoffiziell am 1. Mai. Der Anbieter, About Africa, hatte im Januar 2024 die Konzession für den Shuttle Service auf der 5 km langen Offroad-Strecke erhalten. Dazu gehört die Kontrolle der Zufahrt.
Dennoch mussten mehrere Selbstfahrer ihren Allradwagen am Freitag, den 1. Mai, am Stadtwagen-Parkplatz stehenlassen. Tourguides zufolge wurden sie von Mitarbeitern des Shuttle Service gestoppt und per Shuttle ans Ziel gebracht. Auch Touren von Reiseveranstaltern mit geländegängigen Fahrzeugen waren offenbar betroffen.
Auf Kanälen sozialer Medien der Reisebranche erschien nachmittags der inoffizielle Hinweis des hohen Beamten auf den Stopp des Verbots. Die offizielle Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Forstwesen und Tourismus (MEFT) folgte gleich am Samstag, den 2. Mai – in der Mitte des langen Wochenendes mit zwei Feiertagen.
Demnach ist die Zufahrt für registrierte Tourguides und Selbstfahrer mit 4x4-Fahrzeugen weiterhin erlaubt. Zwar ist nur das Deadvlei erwähnt, aber die Offroad-Strecke führt von dort aus weiter ins benachbarte Sossusvlei.
About Africa hatte eine Sperre der Zufahrt für Selbstfahrer bereits zweimal angekündigt, im September 2024 und im Dezember 2025. In beiden Fällen folgten heftige Proteste der Reisebranche und schließlich der Widerspruch von MEFT (siehe Bericht von Namibian.org).
Als Grund für das Selbstfahr-Verbot hat About Africa den Schutz der Natur genannt. Selbstfahrer würden immer wieder für neue Spuren sorgen. Die Dünen-Namib, in der sich das Sossusvlei befindet, ist seit 2013 eine UNESCO Welterbe-Stätte. Der Status ist an Kriterien zum Erhalt geknüpft. MEFT plant seit langem, den Schutz der Umwelt zu verstärken.
Die Konzession von About Africa hat eine Laufzeit von 25 Jahren. Sie enthält die Bedingung, dass der Betrieb auch den Gemeinschaften der !Karkhoen-Nama und des Ortes Maltahöhe zugute kommt.
About Africa hatte diesen Gemeinschaften mehr als 100 Millionen Namibia Dollar in Aussicht gestellt. Rein rechnerisch wären das 4 Millionen Namibia Dollar im Jahr.
Der Shuttle Service kostet einem Tourguide zufolge zurzeit 200 N$ pro Person (10,40 Euro; Betrag zum aktuellen Wechselkurs; 1 ZAR = 1 N$). Kinder zahlen die Hälfte. Den Service müssen bislang nur Besucher mit Stadtwagen und Gäste von Touren mit nicht geländegängigen Bussen in Anspruch nehmen.
Das Sossusvlei in der Dünen-Namib im südlichen Zentrum Namibias. Foto (2017): Olga Ernst & Hp. Baumeler, Wikipedia