Die Pläne für den Start einer neuen nationalen Airline Namibias nehmen Gestalt an. Medienberichten zufolge hat das Unternehmen Namibia Air (Pty) Ltd seine Betriebsgenehmigungen erhalten. Der historische erste Start einer seiner Maschinen sei für kommenden Dezember vorgesehen.
Die Verkehrs-Kommission Namibias (Transportation Commission of Namibia) habe Namibia Air die offiziellen Betriebsgenehmigungen erteilt, berichtet das Fach-Portal Aviation.direct. Die Lizenzen für die Durchführung von gewerblichen Linien- und Charterflügen gelten fünf Jahre.
Sie bilden die rechtliche Grundlage dafür, Flugzeuge anzuschaffen. Vor Aufnahme des Passagierbetriebs muss die Namibia Civil Aviation Authority (NCAA) der Airline allerdings noch das sogenannte Air Operator Certificate (AOC) erteilen.
Fünf Jahre nach dem Aus von Air Namibia will die namibische Regierung wieder eine staatliche Fluggesellschaft etablieren. Air Namibia hatte ihren Betrieb im Februar 2021 zur Zeit der Covid-19-bedingten Reiserestriktionen eingestellt und wurde liquidiert. Sie hatte bereits zuvor Milliardenverluste eingeflogen (siehe Artikel auf Wikipedia).
Das Betriebskonzept von Namibia Air ist laut Bericht von Aviation.direct schlanker als das von Air Namibia. Es verzichtet vorerst auf Langstrecken-Verbindungen wie etwa nach Europa.
Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf Inlands- und Regionalflüge, berichtet der Namibian. Man rechne mit einem Marktpotenzial von 800.000 Passagieren auf Inlands- und Regionalstrecken.
Standorte sind der Internationale Flughafen Hosea Kutako 30 km östlich von Windhoek und der Eros Airport südlich der Innenstadt Windhoeks. Neben Zielen im Inland sind regionale Destinationen wie Johannesburg, Kapstadt und Durban, Luanda, Lusaka, Gaborone, Victoria Falls und Harare vorgesehen.
Für den Start plant Namibia Air mit sieben Flugzeugen des brasilianischen Herstellers Embraer. Konkret will man vier Embraer E145 (etwa 50 Sitze) zu je 3 Mio. US Dollar beschaffen. Hinzu kommen drei größere Embraer E170 (ca. 75 Sitze) oder E175 (bis zu 88 Sitze) zu je 8 Mio. US$.
Experten zeigen sich zum Zeitplan mit einem Erststart im Dezember skeptisch, berichtet Aviation.direct. Denn für das AOC muss Namibia Air mehrere Bedingungen erfüllen. Dazu gehören technische Infrastruktur, qualifiziertes Boden- und Flugpersonal, Arbeitsabläufe sowie zertifizierte Sicherheits- und Wartungssysteme.
Die NCAA überprüft all das in der Regel mit umfangreichen Inspektionen und Testflügen. Da auch Regionalflugzeuge zurzeit stark nachgefragt sind, mag es dauern, bis Namibia Air ihre Maschinen erhält. Und dann müssen Besatzungen noch auf den jeweiligen Flugzeugtypen geschult und lizenziert werden.
Auch am wirtschaftlichen Erfolg der staatlichen Airline zweifeln Experten. Im Inland konkurriert Namibia Air mit der privaten Airline FlyNamibia. Auf den lukrativen Routen im südlichen Afrika operieren namhafte Fluggesellschaften wie Airlink oder South African Airways.
Die namibische Flagge auf der Flügelspitze: Fünf Jahre nach dem Aus für Air Namibia 2021 nimmt die neue staatliche Fluggesellschaft Namibias allmählich Gestalt an. Foto (2008): Sven-Eric Stender