Manch angehender Namibia-Urlauber mag sich Sorgen machen. Globaler Gesundheits-Notstand wegen eines Ebola-Ausbruchs im Kongo (DRK). Wie hoch ist das Risiko, dass sich das Virus nach Namibia ausbreitet? Und man sich dort im Urlaub ansteckt? Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) in Namibia hält das Risiko für gering.
Erst einmal muss man wissen, wie das Virus übertragen wird. Nämlich durch Körperflüssigkeiten (Schweiß, Speichel, Blut, Erbrochenes, Urin, etc.) einer Person, die an Ebola erkrankt oder gestorben ist.
Die Flüssigkeit muss in den eigenen Körper eindringen. Das kann durch Mund, Nase, Augen oder Wunden in der Haut geschehen. Anders als bei COVID-19 oder Grippe ist eine Übertragung von Ebola-Viren über die Luft nicht möglich.
Infizierte Personen ohne Symptome sind offenbar noch nicht ansteckend. Erkrankte entwickeln im Frühstadium in der Regel 'trockene' Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Müdigkeit. Erst mit fortschreitender Erkrankung kommen 'feuchte' Symptome wie Durchfall, Erbrechen und unerklärliche Blutungen hinzu. Ausführliche Infos bietet eine Webseite der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
Dann stellt sich die Frage, wie man eine Ausbreitung verhindern kann. Experte dafür ist die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO). Sie hat am 17. Mai einen "Public Health Emergency of International Concern (PHEIC)" ausgerufen. Das ist die zweithöchste Stufe unter dem Status einer Pandemie wie COVID-19 im Jahr 2020.
Damit tritt eine Reihe von Maßnahmen in Kraft, um die Ausbreitung einzudämmen. Dazu zählt ein Screening aller Reisenden an den Grenzen betroffener und benachbarter Länder auf ungeklärte fieberhafte Erkrankungen. Wer Ebola-Symptome aufweist, darf nicht aus- bzw. einreisen.
Hinzu kommt eine Nachverfolgung von Fällen und Kontakten, um Infektionsketten zu unterbrechen. Das ist bei Ebola sehr viel leichter möglich als es bei COVID-19 war. Im Osten der DRK allerdings nicht: Dort herrscht Bürgerkrieg.
Zwar hat auch das Nachbarland Uganda bereits Ebola-Fälle registriert. Dennoch ist die WHO zuversichtlich, den Ebola-Ausbruch mit den Grenzkontrollen benachbarter Staaten auf den Osten der DRK einzudämmen.
Ein Ebola-Kranker und sechs Verdachtsfälle befinden sich laut Mitteilung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in Europa. Genauer: in einer Isolierstation der Berliner Charité. Es handelt sich um einen Missionsarzt aus den USA und sechs Kontakt-Personen ohne verdächtige Symptome.
Und Namibia? Man habe bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen, teilte das Ministerium für Gesundheit und Soziales (MoHSS) auf seiner Facebook-Seite heute mit. In Namibia seien bislang keine Ebola-Fälle gemeldet worden.
Namibian.org hakte beim deutschen Robert Koch-Institut (RKI) in Namibia nach, das mit MoHSS seit 2020 eng zusammenarbeitet. Schwerpunkte sind Krankheitsüberwachung, Infektionskontrolle und Ausbildung.
Auch bei der Reaktion Namibias auf den Ebola-Ausbruch in der DRK steht das RKI dem MoHSS zur Seite. Quintessenz: Der RKI-Vertreter in Windhoek, Dr. Christian Winter, hält das Risiko einer Ausbreitung bis nach Namibia aktuell für gering.
Namibian.org: Welche konkreten Maßnahmen hat MoHSS ergriffen?
Dr. Winter: "Das MoHSS beobachtet die Lage in DRK sehr genau. Es besteht ein reger Austausch zwischen dem MoHSS, der WHO, dem Africa CDC [Africa Centres for Disease Control and Prevention] und anderen Partnern dazu. Das MoHSS folgt in seinem Vorgehen den Empfehlungen der WHO für nicht-betroffene und nicht-benachbarte Länder.
Maßnahmen zur Sensibilisierung der Mitarbeitenden an den Grenzen sind in Vorbereitung. Namibia ist gut vorbereitet, wenn es um die klinische Behandlung von Patienten mit einem hämorrhagischen Fieber geht.
Erst im Dezember 2025 hat das MoHSS gemeinsam mit dem RKI ein Training durchgeführt. Darin ging es neben Mpox auch darum, wie man Patienten mit hämorrhagischem Fieber wie 'Crimean-Congo Haemorrhagic Fever' (CCHF), Marburgvirus, Ebolavirus, etc. behandelt, unter Einbehaltung der notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen [siehe Pressemitteilung der deutschen Botschaft]."
Namiban.org: Wie zuverlässig ist das Screening an den Grenzübergängen beim Erkennen von Erkrankten?
Dr. Winter: "Die WHO empfiehlt ein sogenanntes Exit-Screening, also ein Screening beim Verlassen einer betroffenen Region oder eines betroffenen Landes. Entry-Screenings sind sehr aufwendig und meistens nicht sinnvoll, vor allem wenn das eigene Land nicht an ein betroffenes Land grenzt.
Viel wichtiger wäre es, die Einreisenden mit Information zu versorgen, etwa wo sie sich bei Auftreten von Symptomen melden können."
Namibian.org: Wie schätzen Sie das Risiko einer Ausbreitung des Ebola-Virus bis nach Namibia ein und warum?
Dr. Winter: "Ich halte das Risiko einer Ausbreitung des Ebola-Virus nach Namibia aktuell für gering. Der Ebola-Ausbruch ist zurzeit vor allem auf den Osten der DRK begrenzt. Zwischen Namibia und DRK liegt ja auch noch Sambia, das sehr gut in der Überwachung von Infektionskrankheiten und Ausbrüchen aufgestellt ist.
Nichtsdestotrotz, die Lage in DRK ist besorgniserregend und es muss weiterhin engmaschig beobachtet werden. Bei einer Verschlechterung der Lage müssten gegebenenfalls weitergehende Maßnahmen diskutiert und umgesetzt werden."
Karte der Ebola-Fälle im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Uganda, Stand 18. Mai 2026. Quelle: WHO
Bei dem Ebola-Ausbruch im Osten der DRK handelt es sich um das Bundibugyo-Virus (siehe auch Webseite des Robert Koch-Instituts in Deutschland). Es ist seit 2007 bekannt und trat bisher seltener auf als die Zaire-Variante. Bis zum 19. Mai 2026 gab es über 500 Verdachtsfälle und 130 Todesfälle. 30 Fälle wurden laborbestätigt.
Den bislang größten Ebola-Ausbruch gab es laut Google KI-Assistent 2014 bis 2016 in Westafrika mit der Zaire-Variante. Die Bilanz: Rund 28.600 Infektionen und 11.300 Todesopfer. Betroffen waren vor allem Guinea, Liberia und Sierra Leone. Es gab jedoch auch Ebola-Fälle in Nigeria, Senegal, Mali, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA.
Namibia war nicht betroffen. Dennoch hatten damals einige Namibia-Urlauber ihre Reise storniert. Vor allem wohl auch deshalb, weil vielen Europäern nicht klar ist, dass Afrika laut Google KI-Assistent mit einer Fläche von 30,37 Mio. km² fast dreimal so groß ist wie Europa (ca. 10,18 km²).
Ebola-Virus unter dem Elektronen-Mikroskop. Quelle: Webseite der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC).